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vocke.de: Evaluation - Übersicht
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Übersicht über die Themen auf dieser Seite:
A. Evaluation auf dieser Internetseite funktioniert folgendermaßen...
B. Sinn von Evaluationen im allgemeinen im Kontrast zu Evaluationen in dieser Internetseite
C. Folgende Fragebögen werden in dieser Internetseite verwendet...
Im Einzelnen:
Zu A: Evaluation auf dieser Internetseite funktioniert folgendermaßen:
- Evaluation einer jeden Unterrichtsstunde:
a) Aus verschiedenen Umfragen in Klassen über Kriterien von gutem Unterricht sind Items entstanden; Lehrer haben Kriterien entwickelt
b) etliche davon sind in ein Webformular eingearbeitet
c) Schüler bewerten diese Items am Tage der Unterrichtsstunde bis 18 Uhr (vom häuslichen oder schulischen Rechner aus)
d) um 18 Uhr wertet der Server die quantitativen Daten aus und listet alle qualitativen Angaben in zusammenhängenden Abschnitten auf
e) alle Beteiligten, Schüler wie Lehrer, bekommen automatisch eine Mail mit den Ergebnissen.
Damit hat jeder Schüler die Möglichkeit, sich an der Gestaltung des Unterrichts zu beteiligen, und es ist maximale Transparenz hergestellt. Die Planung der nächsten Unterrichtsstunde kann auch auf dieser Grundlage erfolgen.
- Evaluation einer Unterrichtseinheit
a) Aus verschiedenen Umfragen in Klassen über Kriterien von gutem Unterricht sind Items entstanden; Lehrer haben Kriterien entwickelt
b) etliche davon sind in ein Webformular eingearbeitet
c) Nach Abschluss einer Unterrichtseinheit bewerten Schüler, in wieweit diese Kriterien erfüllt waren und wie wichtig ihnen diese Kriterien sind
d) alle Beteiligten, Schüler wie Lehrer, bekommen automatisch eine Mail mit den Ergebnissen.
- An Kriterien für ein erfolgreiches Schuljahr wird im Augenblick gearbeitet - mit den Schülern.
Zu B: Sinn von Evaluationen im allgemeinen im Kontrast zu Evaluationen in dieser Internetseite
- Sinn von Evaluationen im allgemeinen:
Man kann nie von einem allgemeinen Sinn von Evaluation sprechen, da es in jedem Einzelfall darauf ankommt herauszufinden, wer die Macht hat zu bestimmen, was und wie evaluiert wird, d.h. wer die Macht hat zu definieren, was der value in Evaluation ist. Welche Werte gelten, und vielleicht wichtiger: Welche gelten nicht? Daraus ergeben sich dann Fragen, die bestimmte Antworten erzeugen - jede Evaluation enthält also ein Weltbild, das bestimmten Interessen und Zwecken folgt bzw. dient (siehe z.B. Harland 1996, Herman et al. 1987).
Betrachtet man die PISA-Fragebögen im Detail, stellt man fest, dass die Fragen EINEM bestimmten Modell von Schule entsprechen, das aus dem anglophonen Bereich stammt (vor allem USA, Kanada, GB), nämlich school effectiveness (zu deutsch Schulwirksamkeitsforschung) und deutsche Traditionen schlicht negiert (siehe z.B. Koller 1997; Fullan 1998; Fullan 1999). Die deutsche Denkweise hatte die Bildung der Persönlichkeit als Zentrum, was PISA nicht im mindesten interessiert, dafür werden allerhand Rankinglisten aufgestellt.
Weitere Fragen wie die ethische, ob die Betroffenen in die Erarbeitung der Evaluationskriterien einbezogen und über die Verwendung der Ergebnisse mitbestimmen können, können hier nur angerissen werden (siehe z.B. Beresford 2002, Saunders 1999). PISA tut dies nicht; fertige Fragebögen haben ausgefüllt zu werden, die Ergebnisse werden von Politikern für ihre individuellen Zwecke benutzt und in der Presse in erschreckend schlichter Weise breitgetreten.
Nur vordergründig kann PISA sagen, dass der Test freiwillig ist (Baumert et al 2002b, S. 31), aber als eine Schülerin am Test nicht teilnehmen wollte, musste sie zum Schulleiter, und PISA sagt, dass nur Schlechte nicht teilnehmen (Baumert et al. 2002b, S. 26, 27, 28), während diese Schülerin sicherlich eine der intelligenten war. Schulen haben auch keine realistische Wahl, ob sie teilnehmen wollen oder nicht. Dieses Vorgehen entspricht einem positivistischen Wissenschaftsverständnis, was davon ausgeht, dass man die Welt objektiv betrachten kann, wenn man quantitative Methoden verwendet.
Die hier verwendeten PISA-Fragen stammen aus dem sog. "Skalenbuch" aus der PISA-2000-Studie (Baumer et al. 2002a); die eigentlichen Testaufgaben, die in der Presse für so viel Wirbel gesorgt haben, bleiben bis auf eine kleine Zahl von Beispielen geheim, aber Fragen zum persönlichen Lernstil, den häuslichen und schulischen Lernbedingungen und Fragen zur Computernutzung sind öffentlich, und PISA weist ausdrücklich darauf hin, dass sie weiter benutzt werden können (Baumert et al. 2002a, S. 5).
- Sinn von Evaluationen in dieser Internetseite:
Der Zweck von Evaluation auf dieser Internetseite ein anderer: Die Verbesserung von Unterricht als tägliches Geschehen und die Verbesserung der Ergebnisse.
Im Gegensatz zu PISA bin ich der Meinung, dass das nur MIT den Beteilgten geht, nicht wie bei PISA ohne sie. Ich möchte einen Dialog über Unterricht herstellen, wozu jeder Beteiligte beitragen kann (und was wegen des Datenvolumens deshalb nur über die automatische Auswertung im Computer geht). Damit folge ich der Überzeugung, dass die stakeholders der Schule, diejenigen, die an ihr beteiligt sind, nämlich Schüler, Lehrer, Eltern und die Geldgeber (Kommunen, Länder), ihre Verhältnisse vor Ort selbst verbessern können - schools must speak for themselves (MacBeath 1999).
Ich mache den Anfang damit, dass Schüler jede Unterrichtsstunde evaluieren, und zwar nach ihren Wertmaßstäben, die sich dramatisch von denen aus PISA unterscheiden. Aus diesen Kommentaren werden unmittelbare Konsequenzen gezogen. Jede neue Stunde berücksichtigt die Kritik und die Wünsche aus der letzten. Schüler haben somit direkten Einfluss auf Inhalte und Methoden des Unterrichts, und sie können ihren Lernstil und ihre Leistungen rascher verändern, als wenn dieser ständige Blick in den Spiegel nicht getan würde. Am Ziel, Leistungen zu verbessern, wird nicht gerüttelt, was allzu romantischen Vorstellungen über Schülermitbestimmung Grenzen setzt. Allerdings werden in deutschen Schulen Schüler kaum systematisch in die Unterrichts- und Schulentwicklung einbezogen, obwohl man festgestellt hat, dass Schüler jeden Alters sagen können, was sie am Lernen hindert, und es schon ein großer Gewinn wäre, wenn nur diese Negativpunkte beseitigt würden (z.B. Rudduck, Chaplain et al. 1996). Und nicht wenige Schüler haben konstruktive Ideen, die es wert sind, systematisch erfasst und realisiert zu werden - auf gut Neudeutsch: to have a voice, to have a say, ownership an den eigenen Verhältnissen (siehe z.B. Fielding 1999).
Ich meine, dass Menschen SINN brauchen, der sich aus dem sozialen Zusammenleben und aus den bei den beteiligten vorhandenen Weltbildern (Diskursen) ergibt; damit folge ich einem hermeneutischen Wissenschaftsverständnis.
Zu C: Folgende Fragebögen werden in dieser Internetseite verwendet:
- Persönliche Lernbedingungen
- Schulische Lernbedingungen
- Kriterien für eine gute Unterrichtsstunde nach dem Maßstab von PISA
- Computernutzung
- C. Fragebögen, die in Zusammenarbeit mit Schülern entstanden sind :
- Ein Modell guten Unterrichts
- Bewertung dieses Modells
- Evaluation einer jeden Unterrichtsstunde
- Evaluation einer Unterrichtseinheit (S1)
- Evaluation einer Unterrichtseinheit (S2)
- Evaluation eines Schuljahres
Literaturangaben:
Baumert, J. et al (2002a) Dokumentation der Erhebungsinstrumente. Berlin: Max-Planck-Gesellschaft für Bildungsforschung
Baumert, J. et al (2002b) PISA 2000 - Die Länder der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich. Opladen: Leske und Budrich
Beresford, P. (2002). "User Involvement in Research and Evaluation: Liberation or Regulation?" Social Policy and Society 1(2): 95-105.
Fielding, M. (1999). Students as Radical Agents of Change. Paper presented at the Annual Meeting of the British Educational Research Association, University of Sussex at Brighton, 2 5 September, 1999.
Fullan, M. (1998). Change Forces. London (UK) and Levittown (USA), Falmer Press.
Fullan, M. (1999). Die Schule als lernendes Unternehmen. Stuttgart, Klett-Cotta.
Harland, J. (1996). Evaluation as Realpolitik. Understanding Educational Research. D. Scott and R. Usher. London and New York, Routledge: 91 - 105.
Herman, J., L. Morris, et al. (1987). Evaluators Handbook. Newbury Park, London and New Delhi, Sage Publications.
Koller, H.-C. (1997). Bildung und Widerstreit. Zur Struktur biographischer Bildungsprozesse in der (Post-) Moderne. München, Wilhelm Fink Verlag.
MacBeath, J. (1999). Schools must speak for themselves. The case for school self-evaluation. London and New York, Routledge.
Rudduck, J., R. Chaplain, et al. (1996). School improvement What Can Pupils tell us? London, David Fulton Publishers.
Saunders, L. (1999). "Who or What is School Self-Evaluation for?" School Effectiveness and School Improvement 10(4): 414 - 429.