|
vocke.de: Tests können schädlich sein
|
| Wir erleben eine Umdefintion der Ziele von Bildung, weg von der moral person und hin zum hard worker and active citizen. Eines der Mittel zur Durchsetzung sind verbindliche, zentralisierte Prüfungen. Schüler werden umso mehr als "Resultate-Erbringer" aufgefasst, je intensiver das Test-Regime ist.
Wenn in Deutschland zur Zeit so viel über Standards und einheitliche, zentrale Prüfungen gesprochen wird, ist es sehr nützlich, sich durch internationale Vergleiche (sic) klarzumachen, welches Pferd man eigentlich sattelt. Die pädagogischen Wirkungen auf Schüler können katastrophal sein. Wie das britische Beispiel zeigt, ist ein Zuviel an Tests weder zuverlässig, noch gerecht, noch sinnvoll. Die Erfahrung aus 20 Jahren: "standardized tests ... must go", aber in Deutschland werden sie eingeführt mit all den absehbaren Folgen auf Schüler. Im folgenden einige Beispiele aus dem journalistischen und wissenschaftlichen Bereich. |
![]() |
Britische schüler arbeiten bis zu 60 (sechzig) Stunden prto Woche für Tests Schulen manipulieren die Testergebnisse zu ihren Gunsten - "to massage statistics". In Seminaren an der Universität London wurde mir von englischen Lehrern erzählt, dass bei Schulinspektionen problematische Schüler ausgeschlossen und fähige Lehrer von anderen Schulen herangeholt werden. Was sagen dann die Test"ergebnisse"? Der Untertitel zu Coulby and Jones' Buch (1995) Postmodernity and European Educational Systems heißt Cultural Diversity and Centralist Knowledge. London: Trentham Books Quellenangaben: Russell, Jenni: I'm useless. I'm a three. In: The Guardian, 6.06.2002 "schools ... produce indifference to learning". Auch die "ladishness" (eine Form von destruktiver jugendlicher Maskulinität, die Lebenstil an die Stelle an die Stelle von Leistung setzt, wenn diese nicht erbracht werden kann), wird als Resultat von Ausschließungsprozessen durch die Schule aufgefasst, z.B. bei Jackson, Carolyn (2002): 'Ladishness' as a Self--worth Protection strategy. In: Gender and Education, Vol., 14, No. 1, pp. 37 - 51 -- Es ist ausgesprochen sinnvoll, den Bericht McBer H (2000) Research into Teacher Effectiveness. A Model of Teacher Effectiveness. Research Report 216. London: DfEE aus Schülerperspektive zu lesen - welches Bild vom Schüler wird hier aufgebaut? Im Grunde genommen sind Schüler Werkstücke, passend zum Begriff "industrial education" (s.o. in den Zeitungsausschnitten) McNeill, L. M. (2000) Contradictions of School Reform. Educational Costs of Standardized Testing. London and New York: Routledge Brown, M (1998) The Tyranny of the International Horse Race. School Effectiveness for whom? In: R Slee and G Weiner (1998): Challenges for the School Effectiveness and Improvement Movements. London: Falmer.

ZENTRALE TESTS SIND WEDER ZUVERLÄSSIG...
'Childen and teachers testify to the cheating'. In: The Guardian, 05.06.2002
... NOCH SINNVOLL...

... NOCH GERECHT
Schools are failing on a breathtaking scale
Phil Revell: Generation exhausted. The Guardian, March 20, 2001

Da die Erfahrungen mit school effectiveness and improvement (Schulentwicklung) in anglophonen Ländern länger vorliegen als in Deutschland, sind auch Resultate reichhaltiger. Es lohnt, auch diese Kritik rezipieren und sich nicht auf den Platz 21 zu konzentrieren und "Standards" zu fordern, wie die deutschen Massenmedien dies tun.
(c) Diese Seite wurde am 05.07.2002 von Ulrich Vocke erstellt und am